Erfahrungsberichte von Outgoing-Studierenden

*Die Erfahrungsberichte und Meinungsäußerungen von den Studierenden geben ausschließlich die persönlichen Meinungen des*der jeweiligen Verfassers*Verfasserin wider.

Essen, Deutschland

Nenad Kaninski (Studienjahr 2021/22)

Die Folkwang Universität der Künste ist die zentrale Ausbildungsstätte in Nordrhein-Westfalen für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft. Sie wurde 1927 gegründet und hat Standorte in Essen, Bochum, Duisburg und Dortmund. Die Abteilungen Kammermusik, Alte Musik und Klavier befinden sich in Duisburg im alten Gebäude der ehemaligen Bank. Dort gibt es einen Konzertsaal, in dem regelmäßig Konzerte veranstaltet werden. Das Hauptgebäude der Universität befindet sich in Essen, Werden, wo auch die meisten Studenten wohnen. Die Entstehung Werdens geht auf das Wirken des Hl. Liudger zurück, der am Ende des 8. Jahrhunderts (um 799) das Benediktinerkloster Werden gründete. Seitdem siedelten sich Menschen um das Kloster an. Im Jahre 1317 erhielt Werden die Stadtrechte, eigene Mauern und Tore. Werden wurde mit mehreren anderen Orten rund um Essen am 1. August 1929 eingemeindet. Er liegt im schönen Ruhrtal. Der Baldeneysee befindet sich in unmittelbarer Nähe. Die kleine Altstadt bezaubert mit ihren schönen Bauten und gemütlichen Lokalen. Kleine kulturelle Highlights gibt es zu Entdecken. Heute befindet sich im Ortskern eine kleine Altstadt mit einzelnen Fachwerkhäusern und schönen alten Bauten wie beispielsweise das wunderschöne Eckhaus gegenüber vom Alten Rathaus. Werden ist seit 1929 ein Stadtteil Essens und liegt im südlichen Bezirk und im schönen Ruhrtal. Der Stadtteil begeistert durch seine unmittelbare Nähe zum Baldeneysee und zur Ruhr. Die Brehminsel ist eine kleine Insel im Flusslauf der Ruhr und Werdens Stadtpark mit altem Baumbestand. Neben großen Wiesenflächen, die zum Entspannen, Spielen und gemeinsamen Zusammensein einladen, gibt es einen großen Spielplatz, ein Volleyballfeld und Tischtennisplatten. Nur über eine kleine Brücke ist die Brehminsel zu erreichen. Daneben befindet sich am Ruhrufer im Sommer ein Bierwagen mit Sitzplätzen am Wasser und ein Tretbootverleih. In Werden gibt es drei sehenswerte Kirchen zu besuchen: Evangelische Kirche Essen-Werden, St. Lucius Kirche, und Propsteipfarrei St. Ludgerus. Die Folkwang Hochschule für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft hat ihren Hauptsitz in den früheren Abteigebäuden Werdens seit 1946. Ich wohnte in einer Wohnung zwischen der Universität und dem Fluss, nur 2 Minuten entfernt, so dass ich jeden Tag Zeit in der Natur verbringen konnte. In der Nähe des Hauptgebäudes gab es eine Mensa mit sehr günstigem Essen und vielen freundlichen Menschen, die ich im Laufe des Jahres kennen gelernt habe. Ich hatte eine wunderbare Erfahrung mit der Klavierlehrerin Hisako Kawamura und dem Kammermusiklehrer Andreas Reiner zusammen arbeiten zu können. Die Übungsmöglichkeiten an der Folkwang Universität der Künste wurden ausgezeichnet. Ich bedanke mich sehr für diese fantastische Gelegenheit. Es war eine sehr produktive und bedeutungsvolle Zeit für mich. Ich würde Folkwang Universität der Künste den Studenten, die ein Austauschprogramm in Betracht ziehen, wärmstens empfehlen.

Helsinki, Finnland

Matthias Schoberwalter, Student Masterstudium Chordirigieren (Studienjahr 2021/22)

Mein Name ist Matthias Schoberwalter und ich bin Student der Studienrichtung Masterstudium Chordirigieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Im Rahmen des europäischen Austauschprogramms ERASMUS hatte ich die Möglichkeit für 2 Semester (WS21 und SS22) meine Studien an der Sibelius Akademie Helsinki fortzuführen und wertvolle fachliche und musikalische Impulse zu sammeln. Die Vorbereitungen für diesen Aufenthalt begannen im April 2021, nachdem ich eine Zusage für einen Studienplatz an der Sibelius Akademie erhalten hatte. Ich organisierte die Reisetickets und erstellte gemeinsam mit dem Koordinator des dortigen Dirigierinstituts meinen persönlichen Studienplan. Die Suche nach einer Wohnmöglichkeit gestaltete sich anfangs schwierig, jedoch fand ich ein Zimmer in einem privaten, großen Haus, das ca. 30 Minuten vom Zentrum enfernt liegt. Der etwas längeren Anfahrtszeit bis zur Universität stand eine ruhige und grüne Gegend mit vielen Möglichkeiten Sport zu treiben gegenüber. Aufgrund der großen Zimmeranzahl waren wir stets eine bunt durchmischte und lebhafte Gruppe, die sich aufgrund stetig wechselnder Ein- und Auszüge aus bis zu 8 Personen zusammensetzte. Meine Reise begann Ende August. Nachdem das Studienjahr in Finnland (WS: 1.9-31.12 sowie SS:1.1-31.4) anders strukturiert ist als in Österreich, startete der Unterricht bereits am 1. September. In den Tagen davor wurden alle ERASMUS-Studierenden von unserer Koordinatorin sowie diversen Tutor*innen über organisatorische Details hinsichtlich des Studiums, der Bibliotheksausleihe, den verschiedenen Standorten sowie über Fortbildungs- und Freizeitaktivitäten infomiert. Hierbei fiel mir das erste Mal das vielfältige und gut durchdachte Angebot an kulturellen und sportlichen Möglichkeiten an der Universität auf. Voll motiviert und mit großer Vorfreude erwartete ich das kommende Semester – ich sollte nicht enttäuscht werden. Einen wesentlichen Unterschied zu meinem Studium in Graz bemerkte ich gleich zu Beginn des Semesters. Während im deutschsprachigen Raum der Dirigierunterricht in der Regel wöchentlich abgehalten wird und somit ein System der kontinuierlich aufbauenden Leistungssteigerung geschaffen wurde, bestand der Studienplan im Studium Chordirigieren an der Sibelius Akademie aus einem sich abwechselnden System von Projekten mit dem Studiochor und stattfindenden Übungen, Vorlesungen und Kursen. Das projektorientierte Arbeiten mit dem Studiochor bedeutete für uns Studierende das Kennenlernen eines großen Repertoires von unterschiedlichster Vokalmusik. Besonders begeisterte mich die Möglichkeit schwere und komplizierte Werke wie ua. Cinq rechants von Olivier Messaien zu proben und zu dirigieren. In den Wochen zwischen den Ensembleprojekten besuchten wir spannende Kurse wie z.B die Physiologie der Stimme, Gregorianischen Choral singen oder IPA Notation. Durch den Besuch dieser Übungen und Kurse lernte ich viel Neues über den menschlichen Vokalapparat und das IPA-System und den damit einhergehenden Regeln der Aussprache. Das abwechslungsreiche Programm der Vorlesungen verbunden mit der intensiven und fokussierten Arbeit in den Ensembleprojektwochen war der Grund für meine Antragstellung einer Verlängerung meines ERASMUS-Aufenthaltes um ein weiteres Semester. Diesem Antrag wurde nach einem Zeitraum von 3 Wochen zugestimmt und somit konnte ich mich über ein weitere 4 Monate Unterricht an der Sibelius Akademie freuen. Ich hatte mir für die beiden Semester neben der Vertiefung und Perfektionierung einiger technischer Fähigkeiten das Kennenlernen von vielfältiger und neuer Chormusik zum Ziel gesetzt. Außerdem wollte ich Finnland so genau wie möglich erkunden. Diese Ziele war ich bemüht niemals außer Acht zu lassen und Dank eines tollen Professors (Nils Schweckendiek) und den enormen Möglichkeiten der Universität war es mir möglich diese Bestrebungen zu erfüllen. Neben dem Studieren und Üben nahm ich mir viel Zeit um die Stadt und deren Umgebung zu erkunden und mit lieb gewonnenen Freund*innen Zeit in süßen Cafes und modernen Bars zu verbringen. Die gemeinsamen Besuche von Konzerten und szenischen Performances des Helsinki Chamber Choirs waren ein tolles Erlebnis. Faszinierend wirkte auf mich das Stadtbild und die teils sehr unterschiedliche Architektur. Viele Parks mit Erholungsmöglichkeiten prägen Helsinki genauso wie das sehr gut ausgebaute Rad- und Öffinetz und eine riesige öffentliche Bibliothek im Zentrum der Stadt mit großen Sälen lädt zum Verweilen, zum Lesen oder zum Entspannen ein. Außerdem genoss ich unzählige Spaziergänge und die Besuche des Amos Rex Museums, der Insel Suomenlinna, der Kleinstädte Turku, Porvoo und Seinäjoki und des Nuuksio National Parks. Mit finnischen Freund*innen durfte ich zwei der wichtigsten Festtage in Finnland verbringen und diese gebührlich feiern: der „Independance Day“ am 6.Dezember, an dem die Loslösung des Landes von Russland am 6.12.1917 gefeiert wird sowie das Studierendenfest „Vappu“ am 1.Mai. Hierbei handelte es sich ursprünglich um den Tag der Arbeit und dieser wurde später um den Tag der Studierenden ergänzt. Ein charakteristisches Merkmal ist das Tragen eine weißen, matrosenähnlichen Stoffmütze. An diesem Tag sind die Straßen der gesamten Innenstadt voll mit jungen Menschen und ich hatte das Gefühl an einer einzigen, riesigen Party teilzunehmen. Gemeinsam mit einem Freund aus Wien besuchte ich eine öffentliche finnische Sauna mit einer Temparatur von 103 Grad Celsius. Auch wenn es vermutlich Trainingssache ist, Temparaturen in dieser Höhe auszuhalten, waren wir doch über die große Anzahl an Personen und über die durchschnittliche Verbleibdauer dieser Personen in der Sauna erstaunt. Nach max.5 Minuten mussten wir für 30-40 Minuten pausieren, da für uns die Temparatur schlichtweg zu heiß war. Die kulinarische Seite des Landes genoss ich sehr und auch wenn leider die meisten Produkte im Vergleich zu Österreich 15-20 % teurer sind, ließ ich es mir nicht nehmen verschiedenste kulinarische Spezialitäten zu probieren. Viele dieser Speisen wie Lachssuppe, Joulutorttu oder karelische Piroggen sind sehr nahrhaft und gesund und schmecken ausgezeichnet. Die sportlichen Möglichkeiten (Schwimmbäder, Langlaufstrecken, Fitnesscenter und diverse Yoga und Pilateskurse) und die kulturellen Sehenswürdigkeiten (Temppeliakio kirkko, Uspenskin katedraali) in Helsinki sind zahlreich und vielfältig und so gestaltete sich das Leben für mich trotz teilweise widriger Lebensumstände (-15 Grad Celsius) gemütlich und sowohl kulturell als auch sportlich ergiebig. Zahlreiche Restaurants und Cafes bieten sowohl nationale als auch internationale Gerichte an und laden zum Flanieren und Entspannen ein. Ich blicke sehr dankbar auf diese Zeit zurück – schöne Erlebnisse, wunderbare Freundschaften, großartiger Unterricht und das Kennenlernen von ganz viel Neuem haben diesen ERASMUS Austausch zu etwas ganz Besonderem verwandelt. Ich kann die Teilnahme an einem ERASMUS Programm nur empfehlen und würde mich wenn es möglich wäre sofort wieder bewerben.

Essen, Deutschland

Michael Schwarzenbacher, Instrumentalstudium Akkordeon (Studienjahr 2021/22)

Nach ungefähr einem Jahr an Vorbereitung ging es im Oktober 2021 endlich los. 1 Jahr, weil ich ursprünglich schon ein Semester früher nach Essen reisen wollte, es die Corona Situation aber nicht zuließ. Somit startete mein geplantes Erasmussemester im WS 2021/22. Noch auf dem Weg nach Essen hatte ich gewisse Zweifel ob es denn so klug sei das tolle Umfeld in Graz einfach hinter mir zu lassen, um mich in ein völlig neues und unbekanntes Leben zu stürzen. Die Tatsache dass man in dem fremden Land niemanden kennt, verstärkten diese Gedanken. All jene Zweifel sollten sich jedoch rasch in Luft auflösen. Ich hatte das Glück in Essen direkt neben der Uni eine WG zu finden, allerdings mit 8 anderen Mitbewohnern. Scheint auf den ersten Blick wahnsinnig viel, war in dieser Situation aber sehr hilfreich, da man sofort Anschluss und Freunde findet. Da ich als Erasmusstudent nicht so viele Vorlesungen an der Uni hatte, war das ein großer Vorteil gegenüber denen, die alleine eine Wohnung hatten. Die Universität in Essen ist wahnsinnig schön. Sehr alt, aber riesengroß mit schönen Räumlichkeiten und einer nicht zu übersehenden gelben Fassade. Der Unterricht bei meiner Gastprofessorin Mie Miki war einzigartig. Die Unterrichtsstunden mit ihr zählen zweifellos zu meinen besten Erlebnissen. Nicht nur auf musikalischer Ebene durfte ich enorm viel lernen, sondern auch auf intellektueller und persönlicher Ebene. Ich hatte das Gefühl sie gab mir ihre ganze Lebenserfahrung weiter und verhalf mir so zu einer neuen Sichtweise auf die Musik und das mit ihr verbundene Leben. Schnell war also klar, ein Semester ist zu kurz! Auch wenn ich mich bereits im 7. Semester meines Studiums befand, beschloss ich auch mein 8. Semester in Essen zu verbringen und dafür meinen Abschluss um ein Semester nach hinten zu verlegen, um noch genügend Vorbereitungszeit in Graz zu haben. Und das war es wert! Der Frühling kam und der Norden Deutschlands wurde deutlich schöner und wärmer. Die Universität befindet sich ja quasi im Grünen, da sie sich in einem äußeren Stadtteil von Essen befindet: Essen-Werden. Hier hatte man nie das Gefühl der Großstadt. Die Ruhr ist nur wenige Meter entfernt und bei wärmeren Temperaturen kann man sich hier auch Boote ausleihen, was wir häufig taten. Etwas zu kurz gekommen ist leider der Kontakt zu den anderen Erasmusstudent*innen an der Folkwang, da ich diese nie wirklich kennen lernen konnte. Bei unserem ersten Treffen waren neben mir nur zwei weitere Student*innen anwesend, mit denen ich auch Kontakt pflegte. Ein gemeinsames Wilkommensessen/Wilkommensaktivität fiel aber leider wiederum der Covid-Situation zum Opfer und wurde auch danach nicht nachgeholt. Die Folkwang Universität der Künste hat ihren ganz eigenen Charme. Sie ist groß und dennoch klein (man kennt sehr schnell zumindest alle Gesichter). Sie hat neben Musik auch Fachbereiche für Gestaltung (Fotografie, Industrial Design, Kommunikationsdesign), Tanz und Theater. Man hat hier also auch Einblicke in andere Kunstformen, welche man in Graz nicht sofort findet. Die Zeit in Essen war eine der Besten in meinem bisherigen Leben. Ich durfte unglaublich viel lernen - menschlich und musikalisch. Ich konnte wertvolle neue Kontakte knüpfen und extrem viele Eindrücke gewinnen. Egal ob an der Universität, oder außerhalb davon, es war die Reise wert. Meine anfänglichen Zweifel waren im Nachhinein absolut unbegründet und meine Erwartungen wurden weit übertroffen. Ich würde es sofort wieder tun und kann nur jedem raten sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Man profitiert unglaublich davon!

Moskau, Russland

Felix Hautzinger, Studium Musiktheorie (WS 2021/22)

Erfahrungsbericht

Anmerkung: Aufgrund des Ukraine-Krieges musste Herr Hautzinger seinen Aufenthalt leider vorzeitig abbrechen.

Zürich, Schweiz

Anastasiia Gerasina, Viola-Master-Studentin (WS 2021):

Ich durfte im Rahmen von SEMP ein Austauschsemester an der Zürcher Hochschule der Künste bei Prof. Lawrence Power verbringen.[...] Es war eine ausgesprochen produktive und reichhaltige Zeit für mich, in Toni-Areal als auch in der Stadt Zürich. Ich nahm bei verschiedenen Lehrveranstaltungen teil, die ich alle sehr informativ und nützlich finde. Besonders möchte ich die Gruppenimprovisation bei Lucas Niggli und Orchesterprobespiel Training erwähnen. Sie haben sich für mich als besonders wichtige Übungen für Musikstudenten herausgestellt. Ein riesiger Vorteil des Studiums in Toni-Areal ist die hohe Anzahl den Übungsräumen. Die Welcome Day Veranstaltungen waren informativ und freundlich. Die Stadt Zürich und ihre Umgebung sind wunderschön. Es gibt viele lohnende Ausflugsziele, wie das Schloss Laufen am Rheinfall (der Rheinfall gehört zu den drei grössten Wasserfällen in Europa), Zug am Zugersee, Rapperswill usw. Diese Orte sind mit dem Zug in etwa einer Stunde zu erreichen. Wenn man ein Halbtax-Abo besitzt, kann man in allen Zügen in der Schweiz den halben Fahrpreis nutzen. Ich hätte gerne noch ein weiteres Semester an der ZHdK studiert und würde die Hochschule anderen Studenten als Austauschort wärmstens empfehlen.

Vigo, Spanien

Andrea Meschik, Bühnengestaltung (Studienjahr 2020/21):

Meine Reise begann am 8. Jänner 2021, zuerst nach Wien und am Tag darauf der 9. Jänner nach Porto, Portugal um schlussendlich noch 2 Stunden von Porto nach Vigo mit dem Flixbus zu fahren. Die Entscheidung ein Erasmus Semester zu machen stand schon immer im Raum. Darum bemühte ich mich in Österreich zwei Spanischkurse zu absolvieren. Begrüßt wurde ich herzlich von einem Spanier den ich über Couchsurfing kennenlernen durfte. In seinem Zuhause mietete ich mich vorerst für einen Monat ein um mir in dieser Zeit mehrere Wohnoptionen anzusehen. Da das Semester erst am 18. Jänner offiziell begann, konnte ich in dieser Zeit mich etwas in der Stadt akklimatisieren. Am 15. Jänner fand mein „Welcome Day“ statt. Ich nehme an bei einem „Welcome Day“ in jeder anderen Universität wird dieser genutzt um gleich mehrere Bekanntschaften zu machen, insbesondere unter anderen Erasmusstudenten. Nicht in meinem Fall, da ich mich als einzige Erasmusstudentin in diesem Semester zählen konnte. Dies empfinde ich allerdings als großen Vorteil. Die erste Woche fand zu meiner Verwunderung in Präsenz statt. Der Unterricht begann täglich um 8:30 und endete um 15:00. Diese Zeiten waren für mich eine große Umstellung da keine einzige Vorlesung in Graz vor 10 startete. Zu meinen Unterrichtsfächern zählten theoretische sowohl als auch praktische. Was mein Spanischverständnis wesentlich erschwerte, war die allgemeine Maskenpflicht die in der gesamten Stadt und in dem gesamten Land herrschte. Ich musste mich wahnsinnig auf mein Gehör konzentrieren, und es kam nicht selten vor, dass ich während eines Vortrages einfach die Augen schloss um mich noch mehr auf das Hören konzentrieren zu können. Bei dieser Konzentration wunderte es mich nicht, dass ich mich bei einer mehrstündigen Siesta erholen musste als ich täglich nachhause kam. In der zweiten Woche wurden wir wieder wie auch schon in Österreich bekanntes „Distance Learning“ geschickt. Dies erschwerte nochmals meine Fähigkeiten den Unterricht zu folgen. Studenten waren zwar ohne Masken vor dem Bildschirm, aber da die Lehrer mit ihren Laptops in den leeren Klassen saßen, mussten diese weiterhin einen Mundschutz tragen und wenn zu all dem noch eine stockende Internetverbindung dazukam, war ich verloren. Wie erwähnt besichtigte ich im Jänner mehrere Wohnungen und war erstaunt wie einerseits man billige Angebote fand und zum anderen wie manche Menschen leben konnten. Mir war es wert 50 Euro pro Monat mehr zu zahlen, um sagen zu können das ich in einem Apartment lebte das eine Heizung besaß, obwohl das nicht gleich zu verstehen ist, dass es auch warm genug ist. Ich fand ein Zimmer zentral gelegen mit drei Spanierinnen als Mitbewohnerinnen die auch ihr Englisch mit mir verbessern wollten. Die restlichen Monate und Projekte vergingen intensiv wie am Anfang. Jegliche Hausaufgabe sei sie auch noch so klein gewesen dauerte klarerweise bei mir immer länger als bei Anderen. Um mein Sprachwissen zusätzlich auszubauen schrieb ich mich in die Sprachschule in Vigo ein. Dies bedeutete zusätzlich zu den 6 Stunden spanischer Unterricht täglich nochmals 4 zusätzlich pro Woche. Ende Juni schloss ich auf dieser Sprachschule meine Spanischprüfung positiv mit dem Level B1 ab. Abschließend zu erwähnen ist, dass ich noch nie so viele ECTS Punkte in einem Semester gemacht habe. Mir wäre sogar freigestanden mich aus einem Unterricht wieder auszuschreiben, aber mir fiel die Entscheidung zu schwer. Da in Spanien die Pandemie auch nicht problemlos vorbeiging, entschieden sich einige Freischaffende für ein Jahr einen Lehrauftrag anzunehmen. Das hatte den Vorteil, dass man mit jungen Szenen- und Kostümbilder*innen arbeiten konnte die genau wussten wie das Theater der heutige Zeit funktioniert. Durch die Corona Maßnahmen fiel es einem natürlich noch schwerer engere Beziehungen mit anderen Studierenden einzugehen. Es dauerte wohl länger als normal, aber schlussendlich durfte ich trotzdem wunderschöne Begegnungen machen die auf beiden Seiten geschätzt wurden. Ich würde jedem und jeder der /die mit den Gedanken spielt ein Erasmusaufenthalt zu machen, in seiner und ihrer Idee bestärken wollen. Natürlich gibt es unangenehme Situationen. Ja , vielleicht sogar peinliche, aber schlussendlich überwiegen deine positiven Erlebnisse und man darf beobachten wie sich deine Persönlichkeit wieder um ein Quäntchen weiterentwickelt hat.

Poznan, Polen

Nikica Polegubic, Masterstudium Gitarre (Studienjahr 2020/21):

Erfahrungsbericht

Sligo, Irland

Anna Ziener, Bühnengestaltung (WS 2020/21):

Mein letztes Wintersemester (2020/21) konnte ich am Institute of Technology Sligo, im Nordwesten Irlands, verbringen. Dort war ich ein Teil des Studiengangs Performing Arts (Theatre Design). Die Verbindung zwischen der KUG und der ITS war zuvor nicht vorhanden, doch nachdem ich zwei Studierende bei der Prager Quadriennale 2019 kennenlernen durfte, hatte ich ein sehr gutes und realistisches Bild vom Aufbau des Studiengangs. Nach einem Jahr der Bewerbung, Vorbereitung, dem Ausbruch einer Pandemie und Konversation zwischen den International Offices stand die Verbindung und ich konnte meinen Auslandsaufenthalt angehen. Die Informationsveranstaltungen des International Office in Sligo fingen bereits einen Monat vor dem Semesterbeginn an. Sie baten eine gute Chance die beiden Angestellten des International Office kennenzulernen. In diesen Veranstaltungen wurde verschiedenste grundlegende Informationen über Irland weitergegeben, von öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zum Eröffnen eines irischen Bankaccounts. So hatte man die Möglichkeit sich mit dem Land bekannt zu machen, während man noch in Quarantäne war. Die IT Sligo ist eine gut ausgestattete Universität, die durch einen geschlossenen Campus außerhalb des Stadtkerns und eine Vielfalt an verschiedensten Studiengängen viele Möglichkeiten bietet. Es gab mehrere Societies denen man beitreten könnte (dieses Semester waren diese jedoch geschlossen), dazu gehörte beispielsweise auch eine Umwelt-Gruppe, die sich darum bemüht die ITS zu einem Green Campus zu machen. Im Kontext meiner künstlerischen Orientierung, haben die vielen verschiedenen Studiengänge mir es beispielsweise ermöglicht das Lasercutten zu lernen, obwohl es kein offizieller Teil einer Lehrveranstaltung war. Das Performance Art Programm ist sehr offen und hilfsbereit. Vom ersten Tag an waren die anderen Studierenden und Lehrenden unglaublich höflich und haben mich warm in Empfang genommen. Für das kommende Semester waren meine Mitstudierenden meine erste Anlaufstelle bei Fragen, egal ob über das Studium, die Uni, die Stadt oder das Land. Auch die Schauspiel- und Creative Writing Student*innen, die ich mehrmals in der Woche zu Gesicht bekam, waren immer freundlich und auch Gruppenarbeiten waren nie ein Problem. Wenn ich Probleme mit der Sprache hatte, konnte ich immer problemlos nachfragen. Der Unterricht unterschied sich vom Aufbau zwar drastisch von dem an der KUG und wurde hauptsächlich online abgehalten, doch der Inhalt war oft sehr ähnlich zu meinen Lehrveranstaltungen in Graz. Selbstverständlich sind Details auf die Branche vor Ort ausgelegt, so lernte ich auch viel über Film und Theater in Irland, sowohl auf Kostüm und Bühne, als auch auf Regie bezogen. Ich hörte zwar Einiges was mir schon bekannt war, lernte allerdings auch viel über Irland als „literal heritage country“. Speziell William Butler Yeats ist ein Dichter, um den man in Sligo kaum herumkommt. Er hat sich offensichtlich sehr von Sligo beeinflussen lassen, und wenn man durch die Straßen geht, merkt man seinen Einfluss auf die Stadt fast genauso stark – egal ob es sich dabei um Graffiti, Zitate, oder schlichtweg seinen Namen handelt. Dank einer guten Vernetzung zwischen International Office und internationalen Studierenden, war es recht einfach den Kontakt zu anderen Student*innen herzustellen. Da wir alle neu in Sligo waren, war das eine tolle Möglichkeit Sligo und Sligos Umland zusammen kennenzulernen. Es ist eine wunderschöne Stadt nahe am Meer, umgeben von ungewöhnlich geformten Bergen. Die Landschaft ist atemberaubend und alles sehenswerte ist zu Fuß (am besten mit Warnweste) erreichbar. Trotz verschiedenster Corona-Maßnahmen hatte ich die Möglichkeit mit anderen internationalen Studierenden in naheliegende Küstenstädte, an den von Wald umgebenen Lough Gill oder schlichtweg zum nächsten Aussichtspunkt zu wandern. Einige sind sogar weitergegangen und haben die komplette nördliche Westküste mit dem Auto erkunden können. Irland ist ein unfassbar offenes und freundliches Land. Zwar merkt man viele Eigenheiten, wie beispielsweise einen fehlenden Gehweg oder auch ein recht fragwürdiges Zugnetz, allerdings konnte ich mir auch ein gutes Bild der selbstironischen Iren machen. An Weihnachten fährt man durch die Stadt und bringt seinen Freunden Schokolade und Baileys, Pancake Day wird gefeiert und jeden Tag des Oktobers kann man ein Feuerwerk zünden, bis Halloween (dessen Ursprung auch in Irland liegt) in verschiedenen Ecken der Stadt mit einem großen Feuerwerk gefeiert wird. 2020 war das alles in die häuslichen Gärten verlegt. Dank meiner engen Verbindung zu anderen internationalen Studierenden konnte ich auch viel über weitere Kulturen und Länder lernen. Die Frage, die ich oft zu hören gekriegt habe, war: „Ist es nicht schlimm, gerade jetzt hier zu sein?“ Tatsächlich hatte ich trotz allem die Möglichkeit das Land und die Leute darin kennenzulernen. Zwar aus einer sehr einzigartigen Perspektive, aber bereut habe ich es nie. Die Eindrücke der Landschaften sind kaum mit Worten zu beschreiben. Schlussendlich kann ich nur sagen, dass mir recht schnell klar wurde, dass es schon seinen Grund hat, dass so viele Künstler und Musiker aus Irland stammen. Nebel über dem Meer, Sanddünen von denen Kinder Schlittenfahren konnten, einen Ausblick über die Stadt in einer Entfernung von 5 Minuten und die Wellen des Lough Gill sind Bilder, die ich zum Glück mit der Kamera einfangen konnte, allerdings ist Pubkultur und die dazugehörige Mentalität ein großer Teil Irlands, den man erfahren muss, um ihn verstehen zu können.

Valladolid, Spanien

Iris Hennebichler, Masterstudium Lehramt Sekundarstufe Allgemeinbildung, UF Spanisch & Musikerziehung (SS 2020):

Erfahrungsbericht